Ausklang in Phnom Penh, Heimreise

und Rückblick auf die letzten 3 Wochen

 

2 Tage vor meinem Rückflug kehrte ich nach Phnom Penh zurück. Die letzten Tage nutzte ich damit, auf Märkten einzukaufen, mich von einigen Leuten zu verabschieden, die ich kennen gelernt hatte und um einfach zu bummeln. Noch ein paar letzte Bilder aus Phnom Penh.

 

       

Heimreise

Am Morgen des 16. Mai 2007 verliess ich Phnom Penh so, wie ich vor 22 Tagen angekommen bin: Mit dem Tuk-Tuk. Etwa eine halbe Stunde dauerte die Fahrt zum Flughafen.

Der Rest war unspektakulär: Check-in, Paßkontrolle, 1 Stunde Flug nach Bangkok, dort 3 lange Stunden Wartezeit auf den Anschlussflug, 11 Stunden Tagesflug nach Frankfurt, dort Landung mit 1 Stunde 15 Minuten Verspätung. Nach einer schnellen Fahrt mit dem ICE nach Siegburg und 20 Minuten Strassenbahnfahrt endete die Reise dort, wo sie begonnen hatte: Am 16. Mai 2007 um 22.15 in der U-Bahnstation Bonn Hauptbahnhof.

 

       

 

Rückblick

In diesen 3 Wochen habe ich nicht nur wunderschöne Tempel und Landschaften gesehen, lecker und preiswert gegessen und einfach Urlaub gemacht. Nein, diese Reise hat mich oft sehr nachdenklich gemacht und meine Sichtweisen auch auf mein eigenes Umfeld hier in Deutschland neu definieren lassen. Ich habe noch nie auf einer Reise so viel Schönes, aber auch so viel Schreckliches und Schockierendes zu sehen bekommen. Auf der einen Seite sind die wunderbaren Tempel von Angkor, die in ihrer realen Schönheit und Mystik von keinem noch so perfekt gemachten Foto oder Film übertroffen werden. Da ist der Bokor-Nationalpark mit den verlassenen Gebäuden, die eine morbide Schönheit ohnegleichen ausstrahlen. Und die vielen freundlichen Menschen, denen ich begegnet bin, die gegenüber Fremden meist ein nettes Lächeln übrig haben.

Auf der anderen Seite die Spuren der entsetzlichen Vergangenheit. Die Besuche im Toul-Sleng-Museum und auf den Killing Fields werden mir unvergessen bleiben. Aber auch die Anblicke der vielen durch die von explodierten Landminen verkrüppelten Menschen, die auf teilweise selbst gebastelte Rollstühlen angewiesen sind und von den Almosen der Passanten überleben müssen, bleiben einem ewig im Gedächtnis. Alte Menschen, die die Roten Khmer überlebt haben, sind für den Rest ihres Lebens traumatisiert und finden keinerlei professionelle Hilfe. Auch die vielen Kinder, die auf der Strasse leben und schon in jungen Jahren arbeiten müssen, um den Lebensunterhalt ihrer Familie mit zu bestreiten, gehören leider immer noch zum alltäglichen Bild in Kambodscha. Kinder, die teilweise schwer krank sind und keine vernünftige ärztliche Versorgung bekommen. Besonders bewegt hat mich der Anblick eines Kindes, das mit seiner Mutter auf dem Bordstein in Phnom Penh hockte: Es hatte einen ausgeprägten Wasserkopf. Ich fürchte, diesem Kind ist kaum zu helfen.

Kambodscha zählt zu den ärmsten Ländern weltweit. Für 30-50 Dollar im Monat müssen die Menschen oft 7 Tage in der Woche arbeiten, um ihre Familien ernähren zu können. Ein Sozialsystem wie Krankenkassen und Arbeitslosenunterstützung ist dort völlig unbekannt. Wer krank ist, kann sich in den staatlichen Krankenhäusern kostenlos behandeln lassen. Ich habe eines davon gesehen - ich möchte dort nicht liegen müssen! Die deutsche Ärztin Constanze Burghardt engagiert sich seit 10 Jahren für die Menschen in Kambodscha und zeigt auf ihrer Homepage "Das andere Kambodscha" teilweise schockierende Bilder.

Vor dem Hintergrund dieser materiellen Armut ist es erstaunlich, mit welcher Freundlichkeit die Menschen einem begegnen, vorausgesetzt, man respektiert ihre Situation und die buddhistische Kultur. Völlig unbekannt sind die hier in Mitteleuropa allgegenwärtigen mürrischen und abweisenden Gesichter, statt dessen offene und neugierige Menschen. Ich bewundere diese Menschen, die den Fremden respektieren und gebe ihnen meinen Respekt zurück. Niemals fühlte ich mich ernsthaft bedroht, obwohl ich mit meiner Fotoausrüstung mehrere Jahresgehälter eines dortigen Normalverdieners herumgetragen habe. Trotz aller kulturellen Höhepunkte war das Beeindruckendste dieser Reise für mich die Menschen.

Heute sehe ich meine Umgebung hier zu Hause mit anderen Augen. Seitdem ich menschliches Elend mit eigenen Augen gesehen habe, relativiert sich für mich die materielle und gesellschaftliche Situation hier in Deutschland. Die Probleme am Arbeitsplatz, die oft sinnlos hochgespielt werden, die Sorgen, ob man sich dies oder das leisten kann, haben für mich an Bedeutung verloren. Die meisten Menschen hier haben ein festes Dach über dem Kopf, müssen nicht verhungern, können zum Arzt gehen, sind staatlich versorgt, wenn sie arbeitslos sind. Dinge, die in Ländern der Dritten Welt keine Selbstverständlichkeit sind. Aber es wird überall rumgemeckert und geneidet. "Leiden auf hohem Niveau" nennt man das.

Ich bin froh und dankbar, dass ich mir trotz niedrigem Einkommen diese Reise leisten konnte und auf diese Weise die Möglichkeit hatte, über meinen eigenen Tellerrand zu schauen. Mir fällt seitdem das Leben hier viel leichter.

Ganz zum Schluss freue ich mich, die deutsche Journalistin Ilona Duerkop kennen gelernt zu haben, die seit 3 Jahren mit ihrer Familie in Phnom Penh lebt und zuvor 6 Jahre in Laos gelebt hat. Durch die Gespräche mit ihr habe ich viel über Kambodscha erfahren und versucht, das Land nicht nur mit den Augen eines Touristen zu sehen.

Im November 2008 plane ich meine nächste Reise dorthin. Ein Land, das ich lieben gelernt habe. Ich freu mich drauf.